Thomas Godoj auf der Bühne beim 27. Rock & Chanson Festival 2019 in Köln © Natalie Junghof-Preis

Musikalischer Brückenbauer: Interview mit Thomas Godoj

Thomas Godoj im Interview. © Natalie Junghof-Preis

Thomas Godoj im Interview. © Natalie Junghof-Preis

Thomas Godoj ist bekannt aus der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“. Er gewann 2008 die fünfte Staffel, sang auf zahlreichen Konzerten und veröffentlichte zehn Alben. Was viele nicht wissen, seine Musikkarriere begann bereits Jahre zuvor. Mit seiner gefühlvollen Stimme und rockigen Songs begeistert der deutsch-polnische Musiker seine Fans auch auf der aktuellen „V’stärker Aus“-Tour. Grenzenlos sprach mit ihm auf dem Rock & Chanson Festival 2019 in Köln über seine polnischen Wurzeln, sein Engagement für gesellschaftliche Themen und seine Musik.

„Bester Tag“ ist ein Song aus dem aktuellen Album. Wann war dein bester Tag?  

Es ist immer einer meiner besten Tage, wenn ich auf der Bühne stehe. Ich freue mich, dass es uns – meinem Team und mir – über Jahre gelungen ist, bestehen zu bleiben. Natürlich haben wir auch dafür gekämpft. Deshalb war auch der Gewinn bei DSDS war einer meiner besten Tage.

Wenn du von „kämpfen“ sprichst, was meinst du genau damit?

Höhen und Tiefen gehören zum Leben dazu. Ansonsten wäre es ja langweilig. Wie es so ist im Musikgeschäft. Kontinuierlich bestehen zu bleiben, ist eine Kunst. Für mich ist Erfolg, wenn man das, was man liebt zu seinem Hobby machen kann. Sein Hobby zu verwirklichen und damit im besten Fall seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine Familie zu ernähren. Das ist mir und dem Team gelungen über die Jahre. Mal mehr mal weniger. Ich bin froh, wie es jetzt ist. Ich will damit sagen: Ich messe Erfolg nicht nur daran, auf welchem Platz ich in den Charts stehe.

Wenn du rückblickend auf DSDS schaust. Was ist davon übriggeblieben?

Manchmal erkennen mich Leute in Cafés oder in verschiedenen Städten. Manche fragen mich, ob ich der von „Sing meinen Song“ bin, dann muss ich schmunzeln. Es gibt so viele Castingsendungen in der heutigen Zeit. Doch ich finde, sie sind eine gute Plattform für Musiker.

Für mich war die Zeit in der Castingshow eine lehrreiche Zeit mit der Aneignung zahlreicher Kenntnisse. Ich betrachte diese Zeit wie eine Schule fürs Leben – wie eine Ausbildung für die Musikbranche.

Thomas Godoj beim Rock & Chanson Festival 2019 in Köln. © Natalie Junghof-Preis

Thomas Godoj beim Rock & Chanson Festival 2019 in Köln. © Natalie Junghof-Preis

Du bist in Polen geboren und sprichst davon, dass du eine deutsch-polnische Identität hast. Was macht das aus?

Das macht ganz viel aus. Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets und das betrifft beide Länder. Ich bin zwischen Zechen und Kohle in der schlesischen Kleinstadt Rybnik aufgewachsen. Meine Eltern haben einen Ortswechsel vorgenommen als ich sechs Jahre alt war. Es ging nach einigen Zwischenhalten nach Recklinghausen. Die Städte sind sich sehr ähnlich. Mitten im Ruhrpott ging mein Leben weiter und dort begann meine Musikreise.

Bei der heutigen Veranstaltung Rock & Chanson Festival 2019 „Köln-Breslau-Paris“ geht es um die deutsch-polnischen-französischen Beziehungen. Warum trittst du hier auf?

Ich finde es großartig, dass es solche Veranstaltungen gibt. Bei denen wir Menschen merken, dass wir nicht alleine sind, sondern dass wir Völker uns verstehen sollten. Die Völkerverständigung liegt mir besonders am Herzen. Ich hoffe, dass die Spannungen, die sich in unserem Land, aber auch global, bewegen und die Leute, die andere ausgrenzen, dass diese Strömungen aufhören.

Wenn es thematisch passt, dann bin ich gerne dabei und sorge für Aufmerksamkeit, wie etwa mit dem Lied „Auf die Freiheit“, bei dem es um das Thema Seenotrettung geht. Wenn man sich meine Alben anhört, dann erkennt man das auch an der Musik. Diese Themen bringen mich zum Nachdenken und dann schreiben wir gemeinsam mit dem Team Texte über gesellschaftlich relevante Themen.

Fühlst du dich als Botschafter für gesellschaftliche Themen?

Generell bin ich ein Typ, der keine Grenzen sieht. Egal ob wir in Polen oder Deutschland oder sonst wo leben. Ich sehe das menschlich. Wir sind alle Besucher dieser Erde und sollten von der Wand weggehen und das große Ganze sehen. Was das für ein Geschenk ist, das wir hier gemeinsam auf der Erde sind. Ich habe mit den Jahren gemerkt, was wichtig ist, und das ist vor allem Offenheit für Menschen – auch anderer Länder und Kulturen – haben sollten. Ich bin sehr dankbar für dieses Fleckchen Erde, auf dem ich heute stehe und auch für meine Lebensreise.

Thomas Godoj singt in seinen Songs von aktuellen Themen wie Völkerverständigung. © Natalie Junghof-Preis

Thomas Godoj singt in seinen Songs von aktuellen Themen wie Völkerverständigung. © Natalie Junghof-Preis

Was hat die Einreise nach Deutschland mit dir gemacht?

Das war ein großes Abenteuer. Ich glaube, dass es ganz gut war für eine gewisse Selbständigkeit war. Aber wenn man aus seinem sozialen Umfeld gerissen wird und nicht weiß, wo sein Zuhause ist, ist das hart. Dieses Gefühl kenne ich. Ja, dann war ich plötzlich mit sechs in Deutschland, ging in die Schule, habe die Sprache nicht verstanden, konnte mich nicht gut verständigen, musste alles neu lernen. Wir mussten von neu anfangen. Das war für unsere Familie in den 80ern nicht einfach. Für mich und meine Schwester besonders schwer. Es bereichert, aber es macht dich auch zu dem, was du bist. Dass du hoffentlich ein guter Mensch bist, du lernst dann hoffentlich anderen zu helfen.

Gibt es auch in deiner Musik einen polnischen Einfluss?

Natürlich. Auf dem zweiten Studioalbum habe ich viel über das Thema gesungen. Dort ist auch das polnische Lied „Zwykła miłość – dobra jakość!“ zu finden. Jeder sollte seine Wurzeln nicht vergessen. Musikalisch hat es sich auch bei mir gewandelt. Ich bin jetzt zurück zu meinen Wurzeln gekommen – zum Rock – wo ich eigentlich herkomme. Und dann die Leute mitzunehmen in meine Musikwelt.

Wie würdest du deine aktuelle Musikwelt beschreiben?

Es ist deutschsprachiger Hardrock mit Metal-Einflüssen. Die alten Lieder spiele ich aber auch noch. Bei den Live-Shows spielen wir zwei Reihen. Zum einen gibt es die Reihe mit meiner Band und Hardrock. Dabei sind auch zahlreiche Musiker und Unplucktversionen. Zum zweiten gibt es die ruhige Nummer mit einzelnen Künstlern. Wie bei der aktuellen „V’stärker Aus“-Tour. Im Dezember und Januar bin ich auf Tour mit unter anderem Chris Kramer und dem deutschen Beatboxweltmeister. Das wird eine Mischung aus Beatbox-Blues. Die beiden spielen im Vorprogramm und dann werden wir zusammen die Bühne abreisen. Wir haben 26 Lieder von den letzten sieben Alben ausgewählt. Das werden neue Versionen sein, die man noch nie gehört hat. Das wird cool!

Was würdest du Jugendlichen empfehlen?

Macht das, wofür euer Herz schlägt und wonach ihr sucht. Dann werdet ihr auch finden. Habt viel Energie und Respekt davor, was ihr macht. Das habe ich auch. Ich habe viel Respekt vor dem, was ich mache. Jeder Beruf ist eine Berufung. Manche machen einen Beruf, um Geld zu verdienen und gehen vielleicht krank nach Hause und manche machen einen Beruf, weil sie es lieben.

Über Thomas Godoj und seine Einreise nach Deutschland:

Geboren wurde der Rockmusiker als Tomasz Jacek Godoj in der polnischen Kleinstadt Rybnik. Im Jahr 1986 entschlossen seine Eltern das kommunistische Polen zu verlassen. Mit sechs Jahren ging es für ihn und seine Familie in den Zelturlaub an die Adriaküste im ehemaligen Jugoslawien. Aus politischen Gründen beschlossen die Eltern, nicht mehr zurückzukehren. Die Familie verbrachte einen weiteren Monat in Jugoslawien bis das Visum aus Belgrad ankam. Die Wahl fiel auf Deutschland, da Godojs Familie aus Schlesien eine gute Chance auf Bleiberecht hatte. Danach folgten diverse Stationen in Deutschland: Friedland, Una Massen, Mettmann und Recklinghausen. Seit drei Jahren lebt mit seiner Familien in Bochum.

Thomas Godoj spricht über seine Musik, die aktuelle Tour und seine eigene Lebenrreise.

Thomas Godoj spricht über seine Musik, die aktuelle Tour und seine eigene Lebenrreise. © Natalie Junghof-Preis

Natalie ist seit ihrer Kindheit begeistert von der polnischen Kultur und Sprache. Die journalistischen Reisen im Nachbarland machen ihr besonders Freude. Die Medienwissenschaftlerin ist bei Polen.pl als Redakteurin für das Onlineportal Grenzenlos: Deutsch-polnische Jugendthemen verantwortlich.

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